Freitag, 24. August 2012

Urlaub auf dem Boot

Das war er schon wieder, der Urlaub, mein erster auf eigenem Boot... Die erste Woche Arbeit ist fast schon wieder rum.
Zeit für ein Fazit.
Die Milena liegt in Neustadt i.H. und meine ersten Bedenken, dass der Hafen zu groß und einfach nur ein riesiger Campingplatz ist, haben sich nicht bewahrheitet. Der Liegeplatz ist gut, die Nachbarn hilfsbereit aber nicht aufdringlich und Milena hat sich auf jeden Fall als "kleine Ferienwohnung mit unverbaubarem Meerblick" bewährt.


Ich hab lange nicht so gut geschlafen wie in Milenas Vorschiffskoje, sanft schaukelnd und manchmal mit Blick auf die Sterne durchs offene Vorluk. Auch die Abende im Cockpit unter dem einfachen aber effektiven Sonnensegel mit Blick auf Mond und Masten waren auf eine wunderbare Weise tiefenentspannt. Das hätte noch so weiter gehen können...



Überhaupt: Das schönste am Meer ist der Himmel darüber. Die Weite, das Licht die Farben: Ich kann mich nicht dran satt sehen. Und so hatte das wechselhafte Wetter der ersten Woche auch seine Vorzüge: Wenn der Schauer abgezogen ist und die Sonne versinkt, dann kommen die Postkartenmotive.


Das einzige, was zu kurz gekommen ist, ist das Segeln. Mir war oft einfach zu viel Wind, ich wollte eigentlich erst mal bei "Kaffeesegelbrise" so um die 3 Bft. Erfahrung sammeln. Und Böen mit knapp 60km/h waren mir da zuviel, obwohl die Milena mit ihren 1,1 Tonnen Kiel (50% Ballastanteil!) schon sehr seetüchtig ist und so eine steife Brise durchaus verträgt.




Na, jedenfalls segeln tut sie und zwar gar nicht so schlecht, wenn ich auch nicht glaube, dass der Vorbesitzer wirklich viel mit dem Boot gesegelt ist. Ein Block z.B. (Fockschotschiene) war so festgegammelt, dass er sich überhaupt nicht mehr drehte und die Fallwinsch auf dem Kajütdach hat auch die letzten Jahre kein Fett gesehen, mal abgesehen davon, dass das Großfall zu kurz ist, um es über die Winsch zu führen. Und dass der Außenborder so an der Badeleiter anschlägt, dass sich das Getriebe von "Zurück" auf "Voraus" umschaltet, hätte beinahe zu einem Crash mit dem Nachbarboot geführt. Überhaupt sind einige Konstruktionen an Bord geradezu unglaublich fahrlässig montiert, besonders in der Elektrik. Da muss ich auch im Winter noch mal ran und genauer prüfen. Immerhin passten die großen Ikea Gartenmöbelkissen wie erhofft in Verbindung mit 2 Kapok-Rollen perfekt als Ersatz für die vergammelten Polster und auch die Kühlbox hat einen schönen festen Platz gefunden.


Mein iPad hat sich als "Bordrechner" bestens bewährt, während das vorhandene eingebaute Radio falsch angeschlossene Lautsprecher hat, die beide nur das linke Signal wieder geben. Auch da muss ich noch ran.
Ebenfalls schreien einige Holzteile verzweifelt nach Farbe, aber was geht, werde ich jetzt am Wochenende mit nach Hause nehmen, um es zu schleifen und zu lasieren. Den Hochglanzquatsch auf Flächen auf denen man ständig rumläuft (Cockpit) mach ich aber nicht weiter mit.
Gefreut hat mich, dass Alena und Mila das Boot offensichtlich gefällt und sie es auch ein paar Tage drauf aushalten und dass Mila offensichtlich Spaß am Segeln hat und beim Steuern und als Vorschoter wirklich Talent zeigt. 
Da kann ich den ersten längeren Törn mit ihr kaum abwarten.
Schade, dass keiner meiner Nachbarn und Freunde mit Segeln war, aber das kommt vielleicht ja noch.
Alles in allem ein etwas mühsamer Start meiner Skipperkarriere, aber inzwischen habe ich doch Vertrauen gefasst zu dem 40 Jahre alten Mädchen und es auch lieb gewonnen, zumal sich herausgestellt hat, dass die einigen Liter Wasser, die regelmäßig in der Bilge zu finden waren in erster Linie aus einer undichten Schlauchverbindung des Wassertanks stammten.
So weit erstmal mit der bestätigten Erkenntnis, dass das einzige, was an einem alten Boot immer arbeitet, der Eigner ist und einem Zitat aus dem "Kaufmann von Venedig" von William Shakespeare:

"I desire no more delight, than to be under sail and gone tonight"


Keine Kommentare: