Sonntag, 28. März 2010

WARUM

Warum ?


"Noch 'nen Drink?" Christoph winkte mit der Ginflasche. "Ich weiß nicht... ja, mach mir noch einen, aber mit viel Tonic." Ich spürte den Schweiß an den Achseln herunterlaufen und ich dachte mir, daß es noch heißer werden könnte, und daß ich darauf warten würde, daß der kalte klare Drink mir den Schweiß aus den Poren treibt. Es war noch nicht spät, die Sonne stand noch tief und ich war noch nicht müde, obwohl ich die ganze Nacht mit Chris gesessen hatte und wir geschwiegen hatten, was anstrengender ist als das Reden.
Die Yacht dümpelte am Anker und ab und zu drehte sich das Ruderrad nach links und ab und zu drehte es sich nach rechts und ich versuchte zu erraten, wann es sich nach rechts und wann nach links drehen würde.
Wir lagen vor einer kleinen Insel und ich liebte die Schären und sog die Stille in mich ein. Die Morgenbrise war verschwunden und die Hitze senkte sich wie ein Tuch über die Welt und erstickte jeden Laut und jedes Leben und jede Zeit. Christoph reichte mir das Glas herüber und es war kalt.
Ich nahm einen Schluck und fühlte, wie das Chinin meine Bitterkeit erwiderte.
"Warum, Tom?" fragte Chris. "Was?" "Ich meine, warum verdammt sitzen wir hier?" "Was?" Ich schaute ihn fragend an und wusste schon, was er meinte.
"Ich meine, warum sitzen wir hier und warum spielt in Hamburg ein Kind mit seinem Vater und in New York trinkt sich so 'nen armes Schwein tot, du weißt schon, so verdammt tot, daß du noch am Leben bist, wenn du glaubst, du bist schon tot und du einfach nicht sterben kannst, weil du diese verdammte Ruhe nicht finden kannst, diese verdammte Ruhe, die du zu diesem verdammten Leben brauchst und zu diesem verdammten Sterben."

"Weil es nun mal so ist, Chris..." Ich spürte einen Schweißtropfen an meiner rechten Seite herablaufen und hatte schon darauf gewartet und es war wie immer, aber ich hatte keine Angst als die Gänsehaut kam, die mir wie immer den Rücken herablief und die versuchte mir die Frage zu stellen, vor der ich mich fürchtete. Aber ich wollte keine Angst haben, denn es war wie immer und das Gefühl war mir vertraut und ich fühlte mich leer, weil es war wie immer.

"Weil es so ist, wie es war und es sein wird." sagte Chris und ich sagte nichts und wartete auf den nächsten Schweißtropfen.
Eine Möwe flatterte vorbei und versuchte zu schweben. Aber es war kein Wind und sie schlug kräftig mit ihren Flügeln um Höhe zu gewinnen und versuchte wieder zu schweben. Aber sie verlor sofort wieder an Höhe und mußte wieder kämpfen um Luft holen zu können um wieder Höhe zu verlieren und die Hitze ließ ihr keine Ruhe und ich wußte, daß Chris recht hatte und daß wir wieder Wind haben würden, und daß der Wind die Frage verwehen würde, so daß sie noch da sein würde, aber ich nicht mehr hinschauen müßte und daß es sein würde wie immer.

"Ich glaube es gibt noch eine Brise, mach mir noch 'nen Drink, Chris, bevor der Wind kommt und ich nicht mehr mag." Er verschwand in der Kajüte und ich spürte einen Luftzug an meinem Arm.

Ich suchte die Möwe, aber die war verschwunden und ich wußte, es würde sein wie immer.


Copyright Bernd Röver 1989
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Dienstag, 23. März 2010

Zitat des Monats vom Nobelpreisträger für Medizin:

Dr. Drauzio Varella, brasilianischer Onkologe

"In der heutigen Welt wird fünfmal mehr in Medikamente für die männliche
Potenz und Silikon für Frauen investiert als für die Heilung von
Alzheimer-Krankheiten. Daraus folgernd haben wir in ein paar Jahren alte Frauen
mit großen Titten und alte Männer mit hartem Penis, aber keiner von denen
kann sich daran erinnern wozu das gut ist.
"

Dem ist nichts hinzuzufügen.